Wie weiter mit dem PShop?

Einleitung

In einem Antrag vom Bundesparteitag wurde der Bundesvorstand gebeten, einen Rückblick auf den PShop zu werfen, entstandene Probleme zu betrachten und diese zu erklären. Vollkommen vernachlässigt wurde in dem Ergebnisbericht, wie die Rolle des PShop in den kommenden Jahren aussehen soll oder könnte. Gegenwärtig geben wir Mitglieder für die Leistung des PShop mehrere Zehntausende Euro aus. Aber wofür eigentlich? Und wollen oder können wir uns das noch in zwei, drei Jahren leisten, wenn durch unser Ausscheiden aus den Landesparlamenten und rückläufigen Mitgliedsbeiträgen auch die Zuwendungen aus der Teilfinanzierung immer geringer werden? Hier müssen wir vermutlich abwägen und eine informierte Entscheidung treffen. Diesen Prozess möchte ich gerne anstoßen. Ich würde mich über Reaktionen freuen, denn das ist lediglich ein erster Schritt, und bestimmt unvollständig.

In einem ersten Schritt halte ich es für wichtig festzuhalten, welche Aufgaben der PShop zur Zeit für die Partei erfüllt, bzw. welche Aufgaben er erfüllen sollte oder für welche Aufgaben sich eine solche Kosntruktion wie der PShop grundsätzlich eignen könnte.
Als zweites gilt es dann ergebnisoffen zu überlegen, welche Lösungen für die jeweiligen Aufgaben oder Probleme am besten geeignet sind. Hier kommt dann als nächstes auch eine Kostenbetrachtung ins Spiel.

Aufgaben, die der PShop bisher erfüllen sollte

Entstanden ist der PShop mit dem Wunsch, sowohl intern als auch extern PIRATEN-gebrandete Ware zur Verfügung zu stellen. Aus Merchandising-Gedanken und um Material für Veranstaltungen den Gliederungen anzubieten. Der Priorität in den Aufgaben sollte aufgrund der (laut Gordon) gegenwärtig bestenfalls 10% Umsatz mit Externen also bei der Erfüllung innerparteilicher Aufgaben liegen. Welche sind dies?

Nach einigen Gesprächen haben sich die folgenden Aufgaben besonders herauskristallisiert.

  • Am häufigsten genannt wird der Wunsch, Material mit einem einheitlichen Design, einer einheitlichen „Corporate Identity“ parteiweit anzubieten. (Ziel: Vereinheitlichung der Produkte, Wiedererkennbarkeit der Piratenpartei)
  • Es sollen Lieferengpässe überbrückt werden, wenn kurzfristig bestimmte Materialien zur Verfügung stehen sollen. (Eine Lagerfunktion)
  • Bestimmte Leistungen der Mitgliederverwaltung, wie z.B. das Willkommenspaket für Neumitglieder sollen zentral erstellt und versandt werden. (Spezielle Serviceleistungen)
  • Informationen über neue Produktmöglichkeiten

Wenn man das als die wichtigsten Funktionen für die Partei sieht – welche Möglichkeiten gibt es also, um diesen (optimal) nachzukommen? Gibt es Alternativen zum Vertrieb durch den PShop und wie sind die zu bewerten?

Einheitliches Design

In Bezug auf den Wunsch nach einheitlichem Design geht es um zwei Teilaspekte. Einerseits neues Material zu entwerfen, andererseits bereits bestehendes Material bekannt zu machen und zur Verfügung zu stellen.

Entwerfen neuen Materials

Bisher hilft Gordon als Betreiber des PShops beim Design von Flyern oder T-Shirts, etc aus. Das ist per se löblich, aber nicht Teil des vertraglich definierten Aufgabenbereichs. Diese Leistung ist also nichts, worauf man sich verlassen kann und sollte daher nicht dem PShop zugerechnet werden, sondern eher als Initiative eines Mitglieds gesehen und honoriert werden.

Darüber hinaus hat der PShop die Web2Print-Funktion, mit der bestimmte Produkte individuell gestaltet werden können. Dies sind zum Beispiel Visitenkarten oder die Plakte für die Bundestagswahl. Mit hilfe dieser Software wird dann eine Vorlage produziert, die der PShop weiterverarbeitet und versendet.

Regelmäßig nachgefragte Produkte

Bestehende Produkte im PShop sind einerseits für Piraten speziell gefertigte Waren, wie Themen-Flyer oder Fahnen, sowie Material zum „Betrieb“ der Partei, wie Wahlkarten, Tische für Stände, Spielkarten… Teilweise werden diese auf Anfrage bestellt und nicht vorrätig gehalten. Hier leistet der PShop als „Funktion“ das Wissen um optimale Quellen zur Bestelltung.

Alternativen um ein einheitliches Design in der Partei sicherzustellen

Deutlich wird aus den obigen Punkten, dass der PShop auch als Dokumenten-Archiv dient, vorrangig für Print-Materialien und Vorlagen, ebenso wie für Lieferantenbeziehungen. Außerdem verfügt er über die (durch ein Crowdfunding in der Partei) finanzierte Schnittstelle „Web2Print“, die ein Maßschneidern nach zuvorigen Design-Vorgaben ermöglicht.

Gibt es alternative Wege, wie man den PShop im Arbeitsumfang entlasten kann?

Die Antwort ernscheint naheliegend. Eine Möglichkeit wäre (weitere Möglichkeiten existieren bestimmt), in einem Dokumentenmanagementsystem zentral die Druckvorlagen und Design-Elemente vorzuhalten, damit Piraten, die mit entsprechenden Design-Fertigkeiten gesegnet sind, diese verwenden können, oder entsprechend andere Designer einbinden können. Im Fall von bereits vollständig exisiterenden Flyern hätten so beispielsweise unter anderem Landesvorständen Zugang zu diesem Material, so dass sie das bedarfsgerecht selbst bestellen könnten. Unstrittig ist dabei, dass damit die Verantwortung zum zeitgerechten Bestellen dezentralisiert wird (hier liegt dann also beispielsweise die Verantwortung, rechtzeitig ausreichend Flyer zur Verfügung zu stellen, bei dem Landesverband, der eine bestimmte Aktion in seinen Untergliederungen koordiniert). Mit Macht kommt Verantwortung.

In wieweit durch die Zentralisierung Kostenvorteile entstehen, dass durch größere Mengenrabatte die Betriebskosten des Shops aufgewogen werden, bleibt nachzuweisen. Zumindest bleibt so bereits bestehendens Material im abgestimmten Design zur Wiederverwertung für die Partei erhalten.

Um neue Flyer ohne Hilfe von Designern zu entwickeln, kann derzeit die Web2Print-Oberfläche verwendet werden. Diese funktioniert – grob gesagt – wie der Meme-Generator vom [Martin Stoppler | ppic.stoppe-gp.de]. Aktuell ist das Ergebnis dieses Tools im Shop eine Druckvorlage. Das gleiche Verfahren könnte man verwenden, damit jeder Piraten sich mit diesem Tool basierend auf einer Ausgangs-Vorlage maßgeschneiderte Produkte entsprechend der Design-Vorgaben schneidern kann. Ergebnis könnte beispielsweise sein, dass am Ende des Prozesses drei Druckvorlagen als PDF zur Verfügung stehen, die den Anforderunge der drei gängigsten Druckereien entsprechen. Üblicherweise haben die Gliederungen Kontakte zu Druckereien, die sie nutzen könnten.

Sprechen Gründe dagegen, weiterhin diesen Vorlagen-Generator im PShop zu verwenden, z.B. für Flyer, Poster, Visitenkarten? Gegenwärtig ist unklar, welcher Aufwand es wäre, dieses Tool entsprechend anzupassen, um einen Prozess analgo zum Meme-Generator zu erreichen. Dies liegt unter anderem darin begründet, dass (entgegen der Prinzipien der Piratenpartei) weder der Code für das Web2Print-Modul noch der Code für den PShop öffentlich verfügbar ist. Außerdem müsste sich vermutlich eine Gruppe von Piraten finden, die sich bereiterklären, Vorlagen für das Web2Print-Modul zu erstellen und einzuspeisen. Für sich betrachtet sind dies jedoch keine unüberbrückbaren Hindernisse. Es wäre auch zu überlegen, in wieweit die bisherigen Kosten oder das bisherige Mandat dafür umgelegt oder verändert wird.

In Bezug auf bestehendes Material aus früheren Kampagnen, sowie Produkte für den regelmäßigen Piratenbedarf wird deutlich, dass es hier eigentlich eher um eine Lagefunktion geht als um eine Shop-Funktion. Innerparteilich ist darüber nachzudenken, in wieweit es vorteilhaft ist, einen Gewinn in der Distribution dieser Waren zu erwirtschaften. Letzten Endes ist es das eine Geld der Partei, das wir haben (aka Linke-Tasche-Rechte-Tasche).

Regelmäßig nachgefragte Produkte und Lieferengpässe

Hinsichtlich regelmäßig nachgefragter Produkte oder Eilbestellungen kommt gegenwärtig dem PShop eine Lagerfunktion zu. Die eigentliche Aufgabe ist das Lagern und Verfügbarhalten von Waren. Alternativen dazu gibt es viele.

Eine Möglichkeit wäre auch hier zu überlegen, ob in den Landesverbänden oder Untergliederungen Lager genutzt werden können. Parteitage kommen selten überraschend, bzw. die Anzahl bestimmter Veranstaltungen pro Jahr ist vorhersehbar. Dennoch hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass das Wissen um die Veranstaltungen nicht zentral verfügbar ist, sondern dezentral vorliegt. So kann also vor Ort oder in einer übergeordneten Gliederung die jeweilige Mindestmenge bestellt, gelagert und auf Nachfrage versandt oder sogar übergeben werden. Auf ähnliche Weise kann mit Ausrüstung umgegangen werden, wie Pavillons, Sonnenschirme, Megaphone, Guerillabeamer… Letzten Endes ist diese Idee aber nicht neu sondern in vielen Landesverbänden bereits gelebte Praxis.

Eine andere Option ist das Anmieten eines externen Lagers über das dann die Produkte auf Nachfrage versandt werden. Während wie oben beschrieben viele Ereignisse planbar sind, ist dies eine Möglichkeit, die sich vielleicht am ehesten für spontane Situationen eignet oder für Material, das eher selten angefragt wird. Solche Sonderposten könnten extern gelagert werden und dann – insbesondere wenn sie dringend benötigt werden und z.B. Fertigungszeiten zu lang wären – mit einem entsprechenden Dringlichkeitsaufschlag vertrieben werden, um so diese Kosten zu decken.

Spezielle Serviceleistungen

Im Rahmem der Betreuung und Beziehungspflege zu unseren Mitgliedern sind Präsente und Danksagungen, wie zum Beispiel für Piratenjubiläen, ein wichtiges Element. In der Regel bestehen sie aus Goodies und einem personalisierten Anschreiben.

Insbesondere für Jubiläen gilt, dass sie selten überraschend auftreten und relativ planbar sind, sowohl was den Zeitpunkt als auch ihre Menge betrifft. Bis auf das Anschreiben ist es dem Versand nach einer Warenbestellung sehr ähnlich. Diese Leistung erbringt bisher der Betreiber des Shops. Gleichzeitig muss man aber auch hier eingestehen, dass diese Leistung nicht dem Ursprung nach den PShop zuzurechnen ist, zumindest fällt sie nicht unter die geschlossene (und entgoltene) Vereinbarung mit dem Betreiber. Es ist also eine separate Vereinbarung zwischen Mitgliederbetreuung und dem Servicedienstleister.

Sucht man nach einer Alternative zum jetzigen Vorgehen, so könnte man zukünftig beispielsweise so verfahren, dass sich eine Gruppe von Piraten dazu bereit erklärt, die Waren zu bestellen, erneut zu verpacken und zu versenden, oder die Landesverbände diese Aufgabe für die in ihrem Landesverband jubliierenden Piraten übernehmen, oder man dies insgesamt an einen externen Dritten auslagert.

Informationen über neue Produktmöglichkeiten

Aufgrund seines Interesses, den PShop frisch zu halten und neue Ideen aufzunehmen, hat Gordon in der Vergangenheit auch neue Produkte aufgenommen, sei es durch Werbung von Lieferanten oder durch Vorschläge von Piraten.

Da bisher auch viele Piraten auf Neuprodukte aufmerksam geworden sind, müsste man analysieren, wie groß der Informationsverlust wäre, wenn neue Produkte über den Weg nicht mehr vorgestellt werden würden, sondern beispielsweise eine Gliederung selbst etwas zur Probe bestellt oder im Rahmen der PolGef-Runde eine neue Idee disktuiert wird. Ebenso würde der oben genannte Weg, dass Gliederungen selbständig bei dem Anbieter ihres Vertrauens bestellen, durch den Zugang zu neuen Quellen auch das Wissen um Neuproduktideen auf eine breitere Basis stellen. Insgesamt lässt sich jedoch festhalten, dass die Information über neue Produkte in der Priorität der derzeit vom PShop erfüllten Funktionen eher nachrangig ist.

Schlussworte

Dieser Beitrag soll ein Anstoß zur Diskussion und Ideenfindung sein. Anfänglich wurde versucht, die für die Partei wichtigen und dringend zu erfüllenden Funktionen zu ermitteln. Es ist sehr gut möglich, dass diese Liste unvollständig ist. Über Ergänzungen würde ich mich daher sehr freuen. Anschließend wurden erste Ideen zusammengetragen, auf welche Möglichkeiten – abseits der jetzt verfolgten Lösung durch den PShop – die Partei alternativ zurückgreifen könnte. Auch diese Sammlung ist gewiss nicht komplett. Es soll jedoch eine erste Basis sein und ein Aufzeigen, dass es andere Wege gibt.

Auf eine solche Sammlung und Diskussion folgend wäre dann zu ermitteln, in wieweit eine Änderung des bestehenden Vorgehens zu Kostenvorteilen für die Partei führt, und ob diese Kostenvorteile in einer Abwägung gegen die möglichen Unwägbarkeiten, die aus einer Veränderung von Prozessen immer erwachsen, bestehen könnten. Wichtig ist aber zunächst, nicht nur den ersten Schritt vor dem zweiten zu gehen, sondern auch überhaupt diesen bestimmt längeren Weg anzutreten.